Quälende Fragen führen Besucher zur Philosophischen Praxis. Sie wissen zum Beispiel nicht, ob sie die Arbeitsstelle wechseln sollen, zu welcher Frau oder welchem Mann sie besser passen würden oder was sie mit ihrer Freizeit abfangen sollen. Oft sind diese Fragen verbunden mit einer existentiellen Krise oder einer schwerwiegenden Wahl. Die Fragen fordern den Philosophen auf zu reagieren. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: zuhören, verstehen, interpretieren, einen Beispiel anführen oder eine neue Frage stellen. Die Reaktion charakterisiert die Philosophische Praxis. Da muss der Philosoph sich unterscheiden vom Dokter, Psychologen oder Pfarrer. Sokrates hilft uns dabei. Er ist ein Vorbild für die Philosophische Praxis. Er zeigt uns die Attitüde vom Nicht-wissen. Diese Attitüde regt einen an zu untersuchen und nachzudenken. Sie enthält oft einen philosophischen Gedanken und kennzeichnet die Philosophische Praxis durch eine kritische Reflexion, die kein Therapeutiker sich leisten kann. Die Attitüde von Nicht-wissen aber steht im Widerspruch zur Antwort. Deshalb ist die Frage die Antwort der Philosophischen Praxis.
Nicht alle Fragen sind aber gute Fragen. Wir müssen lernen eine Frage zu stellen ohne Voraussetzungen, eine Frage die zum Nachdenken auffordert, eine Frage mit Kraft und Bedeutung an sich, so dass die Gäste der Philosophischen Praxis auf eigene Weise mit dem Problem fertig werden können. Meiner Meinung nach ist die „was ist X“ -Frage dazu am besten geeignet. Sie schaft den Raum für Gäste, sich selbst zu sein und sich selbst zu verstehen. Das bedeutet lernen. Wir müssen lernen zu leben mit einer Frage, die zur Authentizität und Weiterentwicklung der Person (Bildung) herausfordert. Die Kunst, eine solche Frage für unsere Gäste zu finden ist die Kunst des Philosophen in der Praxis.
Dr. Peter Harteloh
Philosophische Praxis Rotterdam, Niederlande
Sekretär der Niederländischen Gesellschaft für Philosophische Praxis.
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